Die Länder Südostasiens, Knotenpunkt vieler Land- und Seerouten, verbindet eine ähnliche Geschichte. Sie haben Handel getrieben, andere Religionen angenommen, Opfer gebracht, Eindringlinge abgewehrt, wurden ausländische Kolonien und erklärten ihre Unabhängigkeit. Das Festland vereinen Religion und historische Reiche, während die Inselstaaten mit ihrer Vielfalt zu kämpfen haben. Heute prägt Südostasien eine dynamische Wirtschaft, die einfache Agrarstaaten unterschiedlich schnell in moderne, wohlhabende Länder mit wachsendem Tourismus verwandelt.

Die Geschichte Südostasiens beginnt mit den früheren Königreichen auf dem Festland, wo sie stark von den Zivilisationen Chinas und Indiens bestimmt wurde. Bereits um 150 vor unserer Zeitrechnung verknüpften Handelsbeziehungen und Tributzahlungen beide Länder mit den verstreuten Völkern Südostasiens. Vietnam war über 1000 Jahre Untertan, Schüler und widerwilliger Sprössling seines mächtigen chinesischen Nachbarn, dagegen war der Eroberungsfeldzug der Inder spiritueller Natur, sie verbreiteten in der Region den Hinduismus, den Buddhismus und später den Islam und beeinflussten Kunst wie Architektur.

Dank der Kontakte mit Indien entstanden mehrere hochorganisierte Staaten. Vom 7. bis zum 9. Jh. kontrollierte das Reich Srivijaya von seiner Hauptstadt bei Palembang im Südosten Sumatras die gesamte Schifffahrt über die Javasee. Die Hauptstadt von Srivijaya war ausserdem ein religiöses Zentrum des Mahayana-Buddhismus (Buddhismus des Grossen Weges), das Gelehrte ebenso anzog wie Händler.

Noch berühmter war das Reich der Khmer, das vier Jahrhunderte überdauerte und einen Grossteil der heutigen Gebiete Thailand, Laos und Kambodscha umfasste. Während dieser Zeit schufen die Khmer für ihre Gottkönige beispiellose hindu-buddhistische Monumente. Ökonomische Grundlage des Reiches war die Landwirtschaft; ein Bewässerungssystem versorgte weite Landstriche rund um den Tonle Sap (Grosser See). Angriffe der neu entstandenen Stadtstaaten an der thailändischen Grenze führten allerdings zum Untergang des Reiches und zur Aufgabe der Hauptstadt Angkor.

Klassisches & Koloniales Zeitalter

Als der Einfluss der grösseren Mächte schwand, begann in Südostasien eine Zeit der kulturellen Festigung und des Einflusses anderer Nationen. In den Königreichen, die durch ihre Seehäfen auch international eine Rolle spielten, entstanden Kunst und Literatur mit jeweils eigenen Prägungen. Thailand breitete sich bis in das Gebiet des untergehenden Khmer Reiches aus und besetzte Teile von Kambodscha, Laos sowie Myanmar. Ab etwa 1331 vereinte das hinduistische Königreich Majapahit den indonesischen Archipel von Sumatra bis Neuguinea und kontrollierte die Handelsroute zwischen Indien und China.

Seine Dominanz dauerte bis zum Erstarken der islamischen Reiche und bis zur Entstehung der Hafenstadt Melaka auf der Halbinsel Malay 1402, deren Reichtum bald das Interesse der Europäer auf sich zog. 1511 wurde der Ort von den Portugiesen erobert, später folgten die Holländer und die Engländer.

Anfangs waren die Europäer nur daran interessiert, die Seefahrt in der Region zu kontrollieren. Dazu schlossen sie Abkommen und Allianzen mit den lokalen Machthabern. Die Niederländer liessen sich vor allem auf Java und Sumatra nieder und besaßen 200 Jahre lang das Monopol auf den Handel zwischen Europa und Asien. Spanier, Franzosen und später Engländer wollten die Asiaten zivilisieren und missionieren. Spanien besetzte die Philippinen, und Großbritannien drang stetig weiter nach Indien, Myanmar sowie auf die Malaiische Halbinsel vor. Die Niederländer etablierten sich in Indonesien, während Frankreich, das bereits in Vietnam Fuss gefasst hatte, auch Kambodscha und Laos an sich riss und alle drei Länder zu Französisch-Indochina vereinte.

Thailand büsste zwar Gebiete ein, blieb aber als einziger Staat Südostasiens unabhängig, u.a. deshalb, weil Großbritannien und Frankreich es als eine Art Puffer zwischen ihren Kolonien belassen wollten. Oft wird diese Entwicklung auch den thailändischen Königen angerechnet, die ihr Land dem Westen angenähert und die europäischen Konkurrenten gegeneinander ausgespielt hatten.

Unabhängigkeitsbewegungen

Das 20. Jh. und der zweite Weltkrieg markieren das Ende der europäischen Herrschaft in Südostasien. Als die Europäer allmählich ihren Einfluss in Übersee verloren, besetzte Japan Thailand, Malaysia und Indonesien. Nach dem Krieg gab es in den früheren Kolonialstaaten ein Machtvakuum, das Unabhängigkeitsbestrebungen in der ganzen Region begünstigte. Den beschwerlichsten Weg in die Freiheit hatten Vietnam und Indonesien. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. befand sich Vietnam pausenlos im Kampf gegen ausländische Mächte. Nachdem die Franzosen von den kommunistischen Nationalisten besiegt worden waren, erlebte das Land einen Bürgerkrieg und die USA schritten ein, um die Verbreitung des Kommunismus einzudämmen.

In Kambodscha mündete der Bürgerkrieg in einen entsetzlichen neuzeitlichen Albtraum: den Aufstieg der Roten Khmer. Die Revolutionsarmee liess alle Städte räumen, riss Familien auseinander, errichtete Arbeitslager und isolierte das Land. Während ihrer kurzen Herrschaft (1975-1979) wurden etwa 1,7 Mio Menschen ermordet.

Vielen neuerdings freien Ländern fiel es schwer, Gebiete zu vereinen, die nur ihre koloniale Vergangenheit verband. In Myanmar, Indonesien und auf den Philippinen machten Diktaturen die Hoffnungen auf freie Wahlen und Bürgerrechte zunichte. Durch Rebellen, aufständische Minderheiten und kommunistische Guerillakämpfer wurden die instabilen Regimes weiter geschwächt, zudem heizten die Supermächte China, Sowjetunion und USA die inneren Unruhen noch an.

Modernes Industriezeitalter

Vor der Jahrtausendwende begann in der Region eine Phase beispiellosen Wirtschaftswachstums. In den vom Export geprägten Tigerstaaten Singapur, Hongkong und Südkorea wuchs das BIP jährlich um bis zu 7%. Zu den weiteren aufstrebenden Ländern gehörten Thailand, Malaysia, Indonesien und in geringerem Umfang die Philippinen. Sie alle erlebten eine rasche Industrialisierung und etablierten sich in hochmodernen fertigenden Sektoren wie der Automobil-, Maschinen- und Elektrobranche.

1997 wurde der Aufwärtstrend durch eine Währungskrise gestoppt. Zuerst traf es den thailändischen Baht, der die Hälfte des Wertes verlor. Bald sollten die Nachbarstaaten folgen. Eine Stagnationsphase und Sparmassnahmen sorgten in den sich entwickelnden Wirtschaften für eine solide Basis. Über ein Jahrzehnt nach dieser Krise haben sich viele der ehemaligen Tiger in Hauskatzen verwandelt mit einem respektablen BIP-Wachstum von rund 5%, ausländische Investitionen sowie einer zunehmend wohlhabenden, gebildeten Bevölkerung.

Die einst isolierten Länder Vietnam, Laos und Kambodscha öffneten sich Mitte bis Ende der 1990er Jahre und erlebten in unterschiedlichem Maße wirtschaftliches Wachstum sowie Industrialisierung. Vietnam bleibt mit seiner dauerhaft expandierenden Wirtschaft und seinem jugendlichen Optimismus, der staatlicher Ineffizienz entgegenwirkt, ein wichtiger kapitalistischer Motor.

Laos erwachte aus seinem Dornröschenschlaf und stellte fest, dass es von China wegen seiner Bodenschätze gebraucht wurde. Zudem entwickelt sich das Binnenland zu einem wichtigen Handelsstandort benachbarter Märkte. Verbesserte Infrastruktur hilft Laos wie seinem Leidensgenossen Kambodscha dabei, einen aufstrebenden Tourismussektor aufzubauen, der sich nicht mehr nur an abenteuerlustige Budgetreisende, sondern auch an gut betuchte Jettete richtet. Daneben hängen beide Staaten weiterhin von kleinen Landwirtschaftsbetrieben ab, wobei auch eine sich allmählich industrialisierende Textilbranche eine Rolle spielt.

In puncto Wirtschaftswachstum und Lebensstandard liegen sie hinter ihren Nachbarn und zählen laut UNO noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Indonesien und die Philippinen, Vorreiter der postkolonialen Entwicklung, konnten nach der Wirtschaftskrise 1997 nicht mehr mit den regionalen Mitstreitern mithalten. Sie sind reich an Bodenschätzen, ethnische Konflikte, Korruption, politische Instabilität, geografische Gegebenheiten und fehlende gemeinsame Identität bremsen sie jedoch.

Das soll es zunächst einmal gewesen sein zur Geschichte Südostasiens. Sicherlich interessant und nicht verkehrt ein wenig mehr über sein Reiseland oder die Reiseregion zu wissen.

       

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